Gastlicher Ort – da kamen die guten Spieler

 

Mit vielen Gästen und einer Party feiert der SC Ellerau seinen 50. Geburtstag. Inzwischen kämpfen 23 Mannschaften um Tore und Punkte.

Klaus

Ellerau. Die „Buffer“ waren weit von Form, Eleganz und Leistungsfähigkeit heutiger Fußballschuhe entfernt, einheitliche Trikots gab es schon gar nicht. Dafür aber Lust auf Gemeinschaft, in der Freizeit mit anderen Spaß zu haben. Deswegen schlossen sich Ausgebombte, Vertriebene und Flüchtlinge mit Einheimischen zum gemeinsamen Kicken zusammen und gründeten 1946 den SC Ellerau.

„Doch im Laufe der Jahre verschwanden ganze Mannschaftsteile, fanden in anderen Orten eine Wohnung oder eine Arbeitsstelle“, sagt Klaus Schandert, Vorsitzender der SC Ellerau. Das Team brach auseinander, der Verein wurde beerdigt – bis er 1969 wieder zum Leben erweckt und mit Zusatz „von 1946“ versehen wurde, um an die eigentliche Vereinsgeburt zu erinnern. Nun feiert der Sportclub seinen 50. Geburtstag, an diesem Sonnabend erst mit offiziellen Gästen, abends dann mit Tanz, Musik und einer Überraschung im Bürgerhaus.

„Beim TSV Ellerau, den es schon gab, spielte Fußball eher eine Nebenrolle“, erinnert sich Schandert (70), der seit sechs Jahren an der Spitze des SC steht. Dort wurde der Kampf elf gegen elf um Tore und Punkte zum Sportschwerpunkt, aktuell hat der Verein 23 Mannschaften im Spielbetrieb, seit Kurzem eine Damen- und drei Mädchenteams. „Mädchenfußball ist ein richtiger Trend“, sagt der Vereinschef.

Bezirksliga, Kreisliga – kein Spitzen-, dafür Breitensport, Geselligkeit eingeschlossen, wenn die Fußballer sich im Vereinsheim zusammen Bundesliga- oder Champions-League-Spiele ansehen. „Das wollen wir auch gar nicht anders und könnten das auch nicht bezahlen“, sagt Schandert. 1946 war das noch anders, allerdings nicht, weil der Verein die Spieler mit horrenden Prämien gelockt habe.

„Da machten Spielergrößen wegen der hervorragenden Gastlichkeit in Ellerau Station“, heißt es in der Chronik zum zehnten Vereinsgeburtstag. Das Niveau stimmte, die Gegner wurden reihenweise „abgefertigt“. Auswärtige Spieler konnten bei Otto Goschuss an der Moortwiete übernachten, Schumacher Leonhardt fertigte die Fußballschuhe, gespielt wurde auf den Hauswiesen von Schultz, Kramer und Seimer, heißt es weiter in der Chronik – der Fußball steckte in den Kinderschuhen, eine Zeit, die längst vergangen ist.

In den 70er-Jahren starteten die Tischtennisspieler beim SC, die Badmintonabteilung folgte und brachte eine äußerst erfolgreiche Spielerin hervor: Renate Knötzsch wurde bei den Seniorinnen Welt- und Europameisterin. „Jugendarbeit spielte in den Anfangsjahren so gut wie keine Rolle. Das ist heute ganz anders, wir haben hervorragende Trainer und Betreuer. Das zahlt sich aus“, sagt Schandert. Der Anteil der Jugendlichen unter den insgesamt rund 700 Mitgliedern liege bei rund 50 Prozent. Damit leiste der Verein auch Sozialarbeit, hole die Jugendlichen von der Straße.

Der TSV Ellerau, mit dem die SCler befreundet sind, habe etwa die gleiche Zahlen an Mitgliedern – 1400 aktive Sportler bei gut 6000 Einwohnern, das sei schon eine beachtliche Quote. Die Folge: Die Hallenzeiten sind knapp, zumal auch die Ganztagsbetreuung an der Grundschule und die Kampfsportler die Hallen bräuchten.

Daher haben die beiden Vereine eine Initiative für den Bau einer Mehrzweckhalle gestartet, die bei den Kommunalpolitikern durchaus auf Gegenliebe stößt. So seien 50.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie in den Haushalt eingestellt worden. Eine Dreifeldhalle müsste es wohl schon sein, damit die Handballer des TSV ihre Spiele austragen können. „Im Gespräch sind drei mögliche Standorte“, sagt der Vereinschef. Zwei auf jeweils einer Seite neben dem Sportplatz, die Grundstücksbesitzer hätten sich grundsätzlich bereiterklärt, Flächen abzugeben. Der dritte Standort liege im Gewerbegebiet, dort könnte zugleich eine Gastronomie für die dortigen Firmen geschaffen werden.

Zum runden Geburtstag sei der SC Ellerau finanziell solide aufgestellt. „Unsere Arbeit wird dabei durch das Land und die Gemeinde gut flankiert“, sagt Schandert. So gebe es nicht nur Zuschüsse für die Jugendtrainer, sondern seit Kurzem auch für die Übungsleiter, die Erwachsene trainieren.

Quelle: Hamburger Abendblatt, Foto: Michael Schick ©

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